Die gleichen Fragen und noch bessere Antworten!

Ich frage mich schon lange, warum mir immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden, wenn es um griechischen Wein geht.

Ich meine nicht Fragen von x-beliebigen Leuten, sondern von Weinexperten und Journalisten. Nein, ich habe jetzt keine Lust die Fragen aneinanderzureihen, sondern gebe gleich die Antworten, damit es möglichst viele lesen, bevor sie Fragen stellen ...

  1. Der griechische Wein ist nicht besser oder schlechter als Weine anderer Länder. Er hat einfach nur eine jüngere, erneuerte Geschichte als die sogenannten „etablierten Weinnationen“ auch wenn Griechenland sicherlich eines der ältesten Weinnationen generell ist.
  2. Der Ruf hat auch unter billigen griechischen Restaurants hellenischer Einwanderer gelitten, die ungelernt Restaurants betrieben. Vor allem aber für die einfache griechische Gastronomie ausgerichtete griechische Großhändler haben daran mit die größte Verantwortung, weil Sie die Gastronomen im Weinbereich nicht anlernten, es in den meisten Fällen mangels Kenntnisse auch gar nicht konnten. Sie haben die Tavernas in Deutschland oft nur mit Billigweinen und anderen Billigprodukten oder sogenannte "Blenderweinen" quasi überschwemmt und durch sog. Creditlines auch bis in die heutige Zeit ab- und anhängig gemacht. Damit kann sich ein ungelernter Gastronom kaum weiterentwickeln. In der Tat ist es so, dass viele dieser Gastronomen und deren Großhändler noch immer in vielen Dingen in den 70er bis 90er des letzten Jahrtausends haften geblieben sind.
  3. Der richtig gute Wein aus Griechenland hatte ein „Stiefmütterchen-Dasein“ und ganz lange zu wenige Chancen sich zu zeigen. Erfreulich ist es, dass durch wenige spezialisierte Händler hier ein Aufbruch zu vernehmen ist. Es ändert sich also gerade ganz gewaltig, aber was quasi 40 Jahre lang in den Köpfen der Menschen war, kann man natürlich auch nicht in nur ein paar Jahren reparieren.
  4. In vielen Blindproben gewinnen „Made in Greece“ Weine häufig gegen ihre gleichteure Konkurrenz. Natürlich kann nicht jeder Wein die Probe bestehen. Das gilt aber auch für Weine aus Frankreich, Italien und viele mehr. Aber durch immer mehr anerkannte internationale Auszeichnungen, werden die Weine Griechenlands immer mehr geschätzt.
  5. Der griechische Wein gehört in jeden weltoffenen, modernen Weinladen, denn das vielfältige griechische Terroir ist einzigartig, wie man schon von alters her weiß. Der Verbraucher darf Aufklärung und Vielfalt erwarten. Dies ist gewiss nicht nur die Pflicht und Aufgabe der Großhändler, sondern auch die der jeweiligen Weinhändler und Restaurants mit internationaler Weinauswahl. In diesem Punkt bedarf es dringend des Umdenkens, da bisher leider viel zu wenig proaktiv gehandelt wird. Kompetente Weinhändler und Sommeliers sollten griechische Weine repräsentieren und promoten können. Nein, nicht aus Mitleid, sondern weil sie einfach dazu gehören und ohne diese – in einer Auswahl mit den besten Weinnationen – eindeutig etwas fehlt. Und auch weil französischer, italienischer und spanischer etc. Weinanbau sich ohne die Hellenen höchstwahrscheinlich anders entwickelt hätte. Denn ihre Weinkultur haben viele dieser Länder in erster Linie den Griechen zu verdanken.

 

Wer sehr guten griechischen Wein probiert, bleibt nicht selten hängen. Das zeigt die Erfahrung. Es ist einfach, Wein aus Griechenland weiter auszuklammern, mit Scheuklappen durch die Weinwelt zu gehen, uninformiert zu bleiben und weiterhin in Klischees zu denken, die bis zu 40 Jahre alt sind, aber auch feige und gegen den Trend.